Warum die Schweiz vielleicht das bestgehütete Geheimnis Europas für Angler ist
Wenn du an einen Angelurlaub denkst, kommt dir die Schweiz wahrscheinlich nicht als erstes in den Sinn. Doch dieses kleine Binnenland im Herzen Europas ist ein Paradies, das passionierte Angler erst jetzt so richtig entdecken. Mit über 1.500 Seen, mehr als 65.000 Kilometern Flüssen und Bächen und einigen der saubersten Süßwassergewässer des Kontinents bietet die Schweiz ein Angelerlebnis, das seinesgleichen sucht. Als "Wasserschloss Europas" bezeichnet, verfügt die Schweiz über rund 6% der Süßwasserreserven Europas, obwohl sie nur 0,4% der Landfläche ausmacht. Buche eine Angelhütte und wirf deine Leine in Gewässern aus, die von gletschergeformten Alpen, sanften grünen Hochebenen und uralten Jurawäldern umrahmt sind.
Die Schweiz im Überblick
Die Schweiz hat eine Fläche von etwa 41.285 km² und rund 9 Millionen Einwohner. Das Land grenzt im Westen an FR, im Norden an DE, im Osten an AT und LI und im Süden an IT. Bern ist die Bundesstadt und Sitz der Regierung, während Zürich die größte Stadt ist. Die Landschaft teilt sich in drei Hauptregionen: die Schweizer Alpen im Süden mit etwa 60% der Landesfläche, das Mittelland mit seinen Hügeln und fruchtbaren Tälern in der Mitte sowie das Juragebirge entlang der Grenze zu FR im Westen. Die Flüsse der Schweiz entwässern in vier Meere: in die Nordsee über den Rhein, ins Mittelmeer über die Rhone, in die Adria über den Ticino als Nebenfluss des Po und ins Schwarze Meer über den Inn als Nebenfluss der Donau. Offizielle Landessprachen sind Deutsch mit 62,6%, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Die Währung ist der Schweizer Franken CHF.
Für Angler bedeutet diese Geografie eine außergewöhnliche Vielfalt an Gewässern. Vom riesigen Genfersee, dem größten See im Alpenraum mit 580 km², und dem Bodensee im Nordosten über den spektakulären Vierwaldstättersee zwischen steilen Gipfeln bis hin zu kleinen, glasklaren Bergseen, die du nur per Seilbahn oder nach einer Wanderung erreichst, ist alles dabei.
Diese Fischarten erwarten dich
In den Schweizer Flüssen und Bächen wurden über 50 Fischarten nachgewiesen. Das kannst du an den Haken bekommen:
- Bachforelle - Der Klassiker in Schweizer Gewässern, verbreitet in Flüssen und Bächen im ganzen Land. Die Atlantische Forelle ist heute fast überall anzutreffen und die häufigste Art in Gebirgsbächen.
- Regenbogenforelle - In vielen Seen besetzt und teilweise auch in Flüssen zu finden, wenn sie aus stehenden Gewässern aufsteigen.
- Seesaibling - Ein begehrter Fang in hochalpinen Seen und in tiefen, kalten Seen wie dem Genfersee oder dem Vierwaldstättersee.
- Felchen - Mehr als 25 Felchenarten leben in der Schweiz und machen rund 60% der Fänge von Berufs- und Freizeitanglern aus. Eine echte Schweizer Spezialität.
- Hecht - Der Spitzenräuber in Schweizer Seen, bis zu 150 cm lang. Besonders starke Bestände gibt es im Genfersee und im Zürichsee.
- Egli - Einer der beliebtesten Speisefische der Schweiz. Egli-Filets sind in Restaurants sehr gefragt und das Angeln darauf ist fast überall populär.
- Zander - In größeren Seen zu finden und wegen seines vorsichtigen Verhaltens ein anspruchsvoller Fang.
- Äsche - Ein wunderschöner Fisch mit großer Rückenflosse, der saubere, sauerstoffreiche Flüsse liebt. Heute eher selten und etwas Besonderes.
- Karpfen - In wärmeren, langsam fließenden Gewässern und manchen Tieflandseen.
- Trüsche - Ein nachtaktiver Grundfisch aus tiefen Seen, besonders in der Zentralschweiz.
- Europäischer Aal - Früher häufig, heute in Europa stark gefährdet. Gelegentlich noch in Schweizer Gewässern anzutreffen.
- Bachsaibling - In ausgewählten Bächen, vor allem im Jura und in alpinen Zuflüssen.
- Alet, Rotauge, Brasse, Schleie - Verschiedene Weißfischarten in wärmeren Tieflandgewässern und größeren Seen.
Die richtige Ausrüstung für die Schweiz
Welche Ausrüstung du brauchst, hängt stark davon ab, wo und worauf du angelst. Hier ein Überblick:
Forellen in Flüssen und Gebirgsbächen
- Rute: Eine leichte Spinnrute zwischen 1,70 und 2,10 m ist ideal für enge Bäche. Beim Fliegenfischen funktionieren kurze Ruten zwischen 2,30 und 2,60 m in Klasse #3 oder #4 gut. Für größere Flüsse deckt eine 2,70 m Rute in #4 bis #5 die meisten Situationen ab.
- Rolle: Kleine Spinnrolle der Größe 1000 bis 2500 mit sauberer Bremse oder eine passende Fliegenrolle.
- Köder: Kleine Spinner, Blinker und Mini-Wobbler sind top. Kräftige Farben reizen oft Regenbogenforellen, natürliche Töne wie Braun, Schwarz oder Gold eher Bachforellen.
- Fliegen: Trockenfliegen wie Elk Hair Caddis oder Parachute Adams, Nymphen wie Pheasant Tail sowie kleine Streamer bringen Erfolg. Von Mai bis September ist Trockenfliegenzeit, während der Schneeschmelze eher Nymphe oder Streamer.
- Naturköder: Wo erlaubt, sind Würmer und Mais effektiv. Lebende Köderfische sind in der Schweiz in der Regel verboten.
Hecht und Räuber im See
- Rute: Mittlere bis kräftige Spinnrute zwischen 2,10 und 2,40 m für weite Würfe und genug Rückgrat.
- Rolle: Robuste Rolle Größe 3000 bis 4000 mit starker Bremse.
- Köder: Große Blinker, Spinnerbaits, Gummifische und Jerkbaits in natürlichen Dekoren wie Egli oder Rotauge. Stahl- oder dickes Fluorocarbonvorfach ist Pflicht.
Felchen und Egli im See
- Rute: Leichte bis ultraleichte Spinnausrüstung oder längere Fliegenrute Klasse #4 bis #6 für das Uferangeln.
- Montage: Kleine Jigs und Mini-Gummis für Egli. Felchen werden meist mit speziellen Nymphenmontagen am Grund gefangen.
Wichtige Hinweise
- Widerhaken sind in Fließgewässern strikt verboten. In Seen können je nach Kanton Ausnahmen gelten, aber widerhakenlos ist die sicherste Wahl.
- Du solltest immer einen Kescher und ein geeignetes Werkzeug zum tierschutzgerechten Töten dabeihaben, da reines Catch and Release grundsätzlich nicht erlaubt ist.
- Watstiefel sind für Flüsse empfehlenswert. Informiere dich über kantonale Vorschriften.
Regeln und Vorschriften
In der Schweiz werden Regeln ernst genommen. Auch beim Angeln. Informiere dich immer über die Bestimmungen des jeweiligen Kantons.
Patente und Bewilligungen
- Fast überall brauchst du ein Angelpatent. Jeder der 26 Kantone hat eigene Regeln und Preise.
- Tagespatente kosten meist zwischen CHF 10 und 25. Erhältlich bei Tourismusbüros, Angelgeschäften oder online.
- Für Jahrespatente ist meist der Sachkundenachweis SaNa nötig. Kurzzeitpatente bekommst du oft auch ohne SaNa.
- An manchen großen Seen gibt es das Freiangelrecht mit einer Rute und ohne Patent, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
Catch and Release
- Ist ein maßiger Fisch in der Schonzeit gefangen, musst du ihn entnehmen und tierschutzgerecht töten.
- Untermaßige oder geschonte Fische setzt du sofort und schonend zurück.
Fangstatistik
- Oft musst du jeden Fang in eine Fangliste eintragen und nach Ablauf des Patents zurückgeben.
Abseits des Angelns
Auch außerhalb des Wassers hat die Schweiz viel zu bieten: beeindruckende Schluchten, versteckte Bergseen, traditionelle Käsereien, historische Festungen und mediterranes Flair im Tessin.
Praktische Tipps
- Anreise: Top öffentlicher Verkehr. Für Autobahnen brauchst du eine Vignette für CHF 40 pro Jahr.
- Sprache: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Englisch wird vielerorts verstanden.
- Kosten: Höheres Preisniveau, aber erstklassige Qualität.
- Wasser: Extrem klar. Pirsch dich vorsichtig an.
- Wetter: In den Bergen schnell wechselhaft. Nimm Regenkleidung mit.
- Sicherheit: Sehr sicheres Reiseland.
Jeder Wurf lohnt sich
Die Schweiz hat vielleicht nicht den Ruf von Skandinavien oder Schottland, doch wer hier angelt, erlebt erstklassige Gewässer, atemberaubende Alpenkulissen und perfekte Infrastruktur. Ob du einer Bachforelle im klaren Gebirgsbach nachstellst oder einen Hecht im tiefen See drillst, dieses Land bleibt dir lange in Erinnerung. Buche jetzt deine Angelhütte und plane dein nächstes unvergessliches Abenteuer im Herzen Europas.